Was ist Intersexualität?

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Eher selten, doch öfter als bisher angenommen, wird ein Kind geboren, das nicht dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden kann, da seine inneren und äusseren Geschlechtsmerkmale gegensätzlich sind. Äusserlich weibliche Individuen beispielsweise sind genetisch männlich (XY-Chromosomen), anstelle von Eileitern und Gebärmutter sind Hoden vorhanden. Aufgrund ihres Genitals als Jungen deklarierte Kinder wiederum weisen einen weiblichen Chromosomensatz (XX) und ebensolche Fortpflanzungsorgane auf. Es wird in diesen Fällen von Intersexualität gesprochen, wobei dies nur zwei Beispiele der Vielfalt von intersexuellen Formen sind. Oft weist die Abweichung des Genitals auf die Intersexualität hin: das Spektrum reicht von der vergrösserten über die penisähnliche Klitoris bis zum Mikropenis.

Eine vergrösserte Klitoris ist in unserer Gesellschaft bedenklich, ein Mikropenis schlichtweg unvorstellbar. Es ist daher noch heute die Praxis, dass mittels fragwürdigen Operationen – eine zu grosse Klitoris wird gekürzt, ein zu kleiner Penis ebenfalls – und lebenslangen Hormonbehandlungen genitale Abweichungen korrigiert und somit zwangsweise Geschlechtszuweisungen durchgeführt werden, wobei 90 % der Intersexuellen als Mädchen deklariert werden, da es einfacher ist, etwas ‚wegzulassen‘, als hinzuzufügen. Dass durch diese Operationen das spätere sexuelle Empfinden massiv vermindert oder gar verunmöglicht werden kann, scheint für die ÄrztInnen das kleinere Übel. Auch die teilweise nicht vorhersehbare psychosexuelle Entwicklung wird nicht hinterfragt, dem Patienten wird eine sexuelle Identität aufgepropft, der sie/er in einer Gesellschaft, wo es nur echte Frauen und wahre Männer geben darf, nicht genügen kann.

Unbegreiflicherweise gehen ÄrztInnen und Eltern zudem davon aus, dass es für die/den PatientIn besser ist, nicht über seinen wahren Zustand aufgeklärt zu werden. Als würden traumatisierende Operationen, jahrelange Nachuntersuchungen, Folgebehandlungen und der Umstand, dass einem ständig zwischen die Beine geschaut wird, nicht schon genügen, Fragen und Selbstzweifel auftauchen zu lassen, der/dem Intersexuellen das Gefühl zu vermitteln, sie/er sei etwas Abartiges. Intersexuellen Menschen wird schlichtweg die eigene Identität vorenthalten, sie werden immer wieder in ihrer Intimsphäre verletzt und mit Halbwahrheiten abgespeist. Zugleich wird ihnen von Anfang an eingetrichtert, mit niemandem darüber zu reden. Es mutet schon fast zynisch an, dass trotz dieser Widersprüche – Inszenierung von Normalität bei gleichzeitigem Auferlegen einer Schweigepflicht – die ÄrztInnen davon ausgehen, ihren PatientInnen mit diesen Methoden zu einem problemlosen Leben verhelfen zu können!

Seit einigen Jahren existieren in der Schweiz, Deutschland, Amerika und England Organisationen von Intersexuellen, die die Sache endlich beim Namen nennen. Die Tragik jedoch ist, dass die durch konsequente Geheimhaltung verursachte Isolation hier ihre Früchte trägt: Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie intersexuell sind, geschweige denn, dass sie die Existenz von solchen Organisationen erahnen könnten.

Zu hoffen bleibt, dass in Zukunft die Genitalverstümmelungen an Intersexuellen aufhören werden und dass es für ÄrztInnen selbstverständlich sein wird, ihre intersexuellen PatientInnen und deren Eltern aufzuklären und selber entscheiden zu lassen und ihnen den Kontakt zu anderen Betroffenen zu ermöglichen. Viel Leid könnte auf diese Weise verhindert werden.

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